„The Milenia assay introduced at our lab in 2012, has improved the screening process. The functional assay provides a more accurate HIT diagnosis. The combined approach of an optimal laboratory and clinical investigation is crucial to obtain a precise HIT diagnosis.“ Karen-Politansky et al., 2019 [8]

Heparin-induzierte Thrombozytopenie: klinischer Hintergrund
Die Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II (HIT II) ist eine immunvermittelte, potenziell lebensbedrohliche Komplikation einer Heparinexposition. Sie wird durch Antikörper gegen Komplexe aus Plättchenfaktor 4 (PF4) und Polyanionen wie Heparin vermittelt. Klinisch relevante, thrombozytenaktivierende Antikörper gehören überwiegend der IgG-Klasse an. Durch Fc-Rezeptor-vermittelte Thrombozytenaktivierung kann es zu einer ausgeprägten Thrombinbildung und in der Folge zu venösen und/oder arteriellen Thromboembolien kommen [1].

Die klinischen Folgen können schwerwiegend sein und bis zu thromboembolischen Komplikationen, Amputationen oder Tod reichen. Bei begründetem Verdacht auf HIT II ist daher eine rasche klinische Bewertung und geeignete Labordiagnostik erforderlich. Wird eine alternative Antikoagulation notwendig, muss zugleich das Blutungsrisiko berücksichtigt werden. Dies unterstreicht den Bedarf an einer schnellen, flexiblen und qualitativ hochwertigen HIT-Diagnostik [4].
Schnelle HIT-Diagnostik als Ergänzung zum klinischen 4T-Score
Die Labordiagnostik einer HIT sollte immer im klinischen Kontext interpretiert werden. Der 4T-Score dient zur Abschätzung der klinischen Vortestwahrscheinlichkeit; bei entsprechender Indikation folgt die immunologische Diagnostik. Ein schnell verfügbarer Immunoassay kann insbesondere dann hilfreich sein, wenn zeitnah eine labordiagnostische Information benötigt wird.
Der Milenia QuickLine HIT entspricht genau dieser Anforderung, er ermöglicht eine schnelle, geräteunabhängige Testdurchführung mit visueller Auswertung.

Einzeltestung statt Batch: bedarfsgerechte Diagnostik
Einzelne HIT-Anforderungen fallen nicht immer zeitlich mit einem geplanten, batchweisen Analyselauf zusammen. Muss eine Probe bis zum nächsten regulären Lauf warten, kann sich die Befundverfügbarkeit verzögern.
Der Milenia QuickLine HIT lässt sich als Einzeltest durchführen und unterstützt damit eine bedarfsgerechte Diagnostik: Eine Patientenprobe kann unmittelbar nach Eingang bearbeitet werden, ohne auf eine definierte Batchgröße warten zu müssen.
Für medizinische Laboratorien kann dies insbesondere bei niedrigem oder schwankendem Probenaufkommen von Vorteil sein. Das Testformat ergänzt damit automatisierte oder batchbasierte Immunoassays dort, wo Flexibilität und kurze Reaktionszeiten im Vordergrund stehen.
Backup für Nacht-, Wochenend- und Randzeiten
Auch in gut etablierten Laborstrukturen können Situationen entstehen, in denen die reguläre HIT-Diagnostik vorübergehend nicht oder nur verzögert verfügbar ist. Dazu gehören Nacht- und Wochenenddienste, Feiertage, Wartungs- oder Ausfallzeiten von Analyseplattformen sowie dringliche Anforderungen außerhalb regulärer Routineläufe.
In solchen Situationen kann der Milenia QuickLine HIT als ergänzende Backup-Lösung in ein bestehendes diagnostisches Konzept integriert werden. Da keine spezielle Geräteplattform erforderlich ist und die Auswertung nach kurzer Inkubationszeit visuell erfolgt, lässt sich eine zeitnahe Testung auch bei geringer Probenzahl organisieren. Voraussetzung sind selbstverständlich eine validierte Implementierung im jeweiligen Labor, geschultes Personal sowie die Einhaltung der geltenden Gebrauchsanweisung und internen Qualitätsvorgaben.
Milenia QuickLine HIT – in wenigen Minuten zum Ergebnis
Der Milenia QuickLine HIT ist ein antikörperbasierter Lateral-Flow-Immunoassay [7]. Für die Testdurchführung werden 5 µL Serum oder Plasma auf die Testeinheit appliziert. Nach Zugabe des Analysepuffers wird das Ergebnis nach 10 Minuten visuell mithilfe einer Auswertekarte interpretiert.
Entspricht die Intensität der Testlinie (T) der Referenz auf der Auswertekarte oder ist sie stärker, wird der Test als positiv bewertet. Ist keine Testlinie sichtbar oder ist deren Intensität schwächer als die Referenz, wird das Ergebnis als negativ bewertet. Die integrierte Kontrolllinie (C) dient als interne Verfahrenskontrolle. Nur bei sichtbarer Kontrolllinie ist das Testergebnis interpretierbar; fehlt sie, ist der Test ungültig.

Funktionsprinzip: Nachweis von IgG-Antikörpern gegen PF4/Heparin-Komplexe
Der Milenia QuickLine HIT basiert auf dem Nachweis humaner IgG-Antikörper gegen PF4/Heparin-Komplexe. Im Analysepuffer enthaltene biotinylierte PF4/Heparin-Komplexe reagieren mit entsprechenden Antikörpern in der Patientenprobe. Die gebildeten Immunkomplexe werden an der Testlinie durch immobilisierte Anti-Human-IgG-Antikörper gebunden und über funktionalisierte Goldnanopartikel sichtbar gemacht. Überschüssiges Goldkonjugat wird an der Kontrolllinie gebunden und zeigt die korrekte Funktion des Testsystems an.

HIT Control – interne Qualitätskontrolle
Die Milenia QuickLine HIT Control unterstützt die interne Kontrolle von Test- und Analysequalität. Das Set enthält zwei Kontrollen, die mit dem Milenia QuickLine HIT ein positives beziehungsweise ein negatives Ergebnis erzeugen. Damit kann das Labor die Testdurchführung und Ergebnisinterpretation im Rahmen seines Qualitätsmanagements überprüfen.
Studienlage zum Milenia QuickLine HIT
Der Milenia QuickLine HIT ist seit 2011 am Markt und wurde in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten untersucht. Eine häufig zitierte Metaanalyse von Nagler et al. aus dem Jahr 2016 verglich verschiedene Antigen-/Immunoassay-Formate hinsichtlich ihrer diagnostischen Genauigkeit. In die Analyse gingen 48 Publikationen mit 128 Testevaluationen und insgesamt 15.199 Patienten ein; als Referenz wurden funktionelle Verfahren wie HIPA oder SRA herangezogen [5].
Die Autoren berichteten für fünf untersuchte Testkonstellationen eine Kombination aus Sensitivität >95 % und Spezifität >90 %. Für die in der Metaanalyse berücksichtigte Milenia-QuickLine-HIT-Konstellation wurden eine Sensitivität von 98,4 % und eine Spezifität von 90,3 % angegeben [5].
- Polyspezifischer ELISA: Sensitivität 98,4 % / Spezifität 94,9 %
- Polyspezifischer CLIA: Sensitivität 98,3 % / Spezifität 97,5 %
- IgG-spezifischer CLIA: Sensitivität 98,8 % / Spezifität 94,6 %
- PaGIA: Sensitivität 96,5 % / Spezifität 93,7 %
- Milenia QuickLine HIT: Sensitivität 98,4 % / Spezifität 90,3 %
Frühere Evaluierungsstudien beschrieben zudem im Vergleich mit bestimmten IgG-spezifischen ELISA-Formaten und PaGIA eine geringere Zahl falsch positiver Resultate für den Milenia QuickLine HIT [6, 7]. Für die klinische Anwendung bleibt entscheidend, immunologische Testergebnisse gemeinsam mit der klinischen Vortestwahrscheinlichkeit zu bewerten und positive beziehungsweise diskrepante Befunde entsprechend dem lokalen diagnostischen Algorithmus gegebenenfalls durch funktionelle Testverfahren weiter abzuklären.
Praktischer Nutzen im Laboralltag
Für medizinische Laboratorien liegt der praktische Nutzen eines schnellen, geräteunabhängigen HIT-Immunoassays vor allem in seiner Flexibilität. Der Milenia QuickLine HIT kann unterschiedliche Versorgungssituationen abdecken:
- zeitnahe Bearbeitung einzelner Patientenproben ohne Batchbildung
- Routinediagnostik bei niedrigem oder unregelmäßigem Probenaufkommen
- Backup-Diagnostik in Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten
- Überbrückung bei Wartung oder vorübergehendem Ausfall einer Routineplattform
- kurze, geräteunabhängige Testdurchführung mit visueller Ergebnisinterpretation
Damit kann das Testformat insbesondere dort einen Mehrwert bieten, wo eine schnelle Verfügbarkeit wichtiger ist als eine hohe Probendurchsatzrate.
Fazit
Die HIT-Diagnostik erfordert die Verbindung aus klinischer Einschätzung und geeigneter Labordiagnostik. Der Milenia QuickLine HIT bietet hierfür ein schnelles und geräteunabhängiges Immunoassay-Format. Neben der klassischen Anwendung als Schnelltest in der Routinediagnostik, ist insbesondere seine flexible Nutzung relevant: Einzelproben können bedarfsgerecht untersucht werden, und das System kann als ergänzende Backup-Lösung außerhalb regulärer Routinezeiten oder bei eingeschränkter Verfügbarkeit automatisierter Plattformen eingesetzt werden. Damit lässt sich die HIT-Diagnostik organisatorisch so ergänzen, dass auch bei geringem Probenaufkommen oder zeitkritischen Anforderungen eine zeitnahe Testmöglichkeit zur Verfügung steht.
Bei Interesse an einer Einführung des Milenia QuickLine HIT in Ihrer Einrichtung oder bei Fragen zur Integration in Ihren Laborworkflow steht Ihnen Milenia Biotec gerne zur Verfügung.
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- : Greinacher, A., Fürll, B., & Selleng, S. (2013). Heparin-induced thrombocytopenia. Methods in molecular biology (Clifton, N.J.), 992, 301–318. https://doi.org/10.1007/978-1-62703-339-8_23 ()
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- : Nagler, M., Bachmann, L. M., ten Cate, H., & ten Cate-Hoek, A. (2016). Diagnostic value of immunoassays for heparin-induced thrombocytopenia: a systematic review and meta-analysis. Blood, 127(5), 546–557. https://doi.org/10.1182/blood-2015-07-661215 ()
- : Sachs, U. J., von Hesberg, J., Santoso, S., Bein, G., & Bakchoul, T. (2011). Evaluation of a new nanoparticle-based lateral-flow immunoassay for the exclusion of heparin-induced thrombocytopenia (HIT). Thrombosis and haemostasis, 106(6), 1197–1202. https://doi.org/10.1160/th-11-06-0390 ()
- : Kolde, H. J., Dostatni, R., & Mauracher, S. (2011). Rapid and simple IgG specific test for the exclusion of heparin induced thrombocytopenia (HIT). Clinical chemistry and laboratory medicine, 49(12), 2065–2068. https://doi.org/10.1515/CCLM.2011.693 ()
- : Keren-Politansky, A., Hoffman, R., Nadir, Y., Brenner, B., & Sarig, G. (2019). Harefuah, 158(3), 160–164. ()